STUDIOTIMNOWAK | CULTURA
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CULTURA

Eine Kindertagesstätte zu planen, stellt bereits eine große Herausforderung dar. Diese dann noch mit einer Seniorentagesstätte zu kombinieren und in einen stark frequentierten städtischen Raum zu integrieren, bedarf einer genauen Konzeptionierung und Beachtung der äußerlichen Einflüsse. An der stark befahrenen Kreuzung von Leyental- und Moerser Straße in Krefeld gelegen, stellt die Fläche mit ihrer Positionierung als Eckgrundstück eine spannende Bauaufgabe dar. Neben einer städtebaulichen Lösung, die Bestandsgebäude und Neubau vereint, müssen die verschiedenen Nutzungen adäquat miteinander vereinbart werden, um jeglichen Bedürfnissen Rechnung zu tragen. Auch ein Abschottung der Nutzer von der lauten Straße ist eine wichtige Komponente.

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Städtebauliches Konzept
Die umliegende Blockrandbebauung bildet bisher zwei starke Ecken an dieser Kreuzung aus. Diagonal gegenüber des Grundstücks befindet sich ein dichter Bewuchs, sodass hier auch von einer Eckausbildung durch die Natur gesprochen werden kann.  Damit ist die Fortführung der Blockrandbebauung mit markantem Eckpunkt eine logische städtebauliche Konsequenz, die das Ensemble an der Kreuzung komplettiert. Der L-förmige, viergeschossige Bau führt den Blockrand der Moerser Straße um die Ecke in die Leyentalstraße.

Nutzung und Erschließung
Das Gebäude soll von drei Nutzergruppen in Anspruch genommen werden. Die Kinder- und Seniorentagestätte wird von zwei großen Arztpraxen vervollständigt. Durch die sich überschneidenden Nutzerinteressen ergeben sich vorteilhafte Synergieffekte für alle Nutzer des Hauses. Senioren und Kinder können ihre Arztbesuche mit der Betreuung koppeln, die Ärzte profitieren von der Kundschaft. Im Inneren sind alle Etagen durch ein grundlegendes Konzept geprägt. Ein Erschließungsflur zum Innenhof dient als Verteiler für die daran gereihten Räume und gleichzeititg als Kommunikations- und Spielflur. Der transluzente Gang ist Schnittstelle zwischen Innenräumen und dem Hof. Er ist Treffpunkt,  Erschließungstrakt, Aussichtspunkt und Kommunikationsort zugleich; stellt damit das Herz des Gebäudes dar. In den Arztpraxen kann er als temporärer Warteraum vor den Behandlungsräumen genutzt werden. Die Seniorentagesstätte befindet sich im EG des südlichen Schenkels und wird über eine Rampe unter der Auskragung im Osten seitlich erschlossen. Die Kindertagesstätte wird über das Ende des westlichen Schenkels erschlossen. Diese klare Trennung der Eingänge hebt sich im gemeinsamen Kommunikationsflur und Innenhof auf. Im ersten Obergeschoss führt sich die KITA dann fort und wird über eine interne Treppe erschlossen. Die Arztpraxen im zweiten und dritten OG erreicht man über das zentrale Treppenhaus.

Pädagogisches Konzept
In der Lernpsychologie ist das Lernen am Modell ein wichtiger Baustein in der Entwicklung eines Kindes. Verhaltensweisen und Persönlichkeitsmerkmale des Modells (Senioren) werden in einem Gedächtnisvorgang des Beobachters (Kinder) verarbeitet und nachgeahmt. Das Lernen am Modell ist ein Mittel, mit dem Kinder ihre Entwicklungsphase schneller abschließen können. In der kognitiven Entwicklung eines Kindes beschrieb der schweizer Entwicklungspsycholge Jean Piaget die sogenannte Akkommodation. Bei diesem Vorgang werden für den Beobachter (Kinder) nicht gewohnte Verhaltensweisen, die nicht in ihr Verhaltensschema passen, aufgenommen und verarbeitet. Dadurch wird die Entwicklungsprozess des Kindes gefördert. Nach Piaget kann ein Kind eine Entwicklungsphase erst beginnen, wenn es die vorherige abgeschlossen hat. Diese lernpsychologischen Aspekte sprechen für eine Architektur, die die Kommunikation zwischen den Kindern und Senioren erlaubt. So ist der verglaste Flur und der gemeinsame Innenhof Schnittstelle zwischen Jung und Alt. Im Erdgeschoss ermöglicht eine Tür auch gemeinsame Aktivitäten der Generationen. Trotzdem ist es hier auch möglich den Kontakt ausschließlich visuell zu behalten. Ebenso ist es im Hof möglich, mit den Kindern direkt oder nur durch Blickbeziehungen zu kommunizieren. In der KITA trägt der gemeinsame Flur zum ständigen Austausch und gruppenübergreifendem Spiel bei. Der große Mehrzweckraum im ersten Obergeschoss dient als Erfahrungs- und Aktionsraum. Er ist Ort für Therapie, küntlerische und sportliche Beschäftigungen und Veranstaltungen. Durch seine Trennvorhänge ist er variabel und wandelbar. Für Kulturveranstaltungen, Elternabende und Vorführungen kann er ebenso genutzt werden. Auch die Senioren profitieren von der angrenzenden KITA. Die Lebensfreude und Energie der Kinder können positive Auswirkungen auf die Lebensführung der älteren Generation haben.

Materialität & Atmosphäre
Die beiden Fassadenmaterialien Stampfbeton und Holz ergänzen sich gegenseitig nicht nur in ihrer Farbigkeit, sondern unterstreichen mit ihrer Horizontalität auch die Form des Gebäudes, das sich um die Ecke windet und eine Fortführung darstellt. Beide Materialien besitzen eine natürliche Ausstrahlung und verkörpern den nach Joseph Beuys „warmen Charakter“ einer sozialen Gesellschaft.  Im Inneren führt sich dieser Gedanke fort. Natürliche Materialien wie Holz und Kork vermitteln den Nutzern eine behagliche Atmosphäre.  Nicht nur der Korkboden, sondern auch die Akustikdecke mindern die Schallentwicklung in den Räumenund sorgen für einen angenehmen Lärmpegel; vor allem in der Kindertagesstätte. Große Fenster und die Glasfassade zum Innenhof ermöglichen eine hohe Lichtausbeute und wirken sich damit positiv auf den Gemütszustand und die Entwicklung der Nutzer aus. Das Inneraumkonzept soll somit eine möglichst natürliche Umgebung für die heranwachsenden Kinder und die alternden Senioren schaffen.



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